Vegetationsaufnahme - durchgeführt von Dipl. Biol. M. Vogel

Eine Vegetationsaufnahme nach Braun-Blanquet ergab folgende Vegetationstypen und -gesellschaften in meist klarer Zonierung vom Ufer zur Aue. Die Korrelationsanalyse mittels CCA zeigte Abhängigkeiten vom Vegetationstyp,  Vegetationsdichte und terrestrischer Fauna auf.

1.Xanthio albini-Chenopodietum rubri (Elbspitzkletten-Gesellschaft)

1.1 Xanthio-Chenopodietum rumicetosum maritimi

1.1.a typische Variante

1.1.b Nährstoffreiche Variante mit Chenopodium rubrum und Ch. glaucum

1.1.c Variante mit Limosella aquatica

1.2 Xanthio-Chenopodietum corrigioletosum litoralis

1.2.a typische Ausprägung

1.2.b verarmte Ausprägung

2. Gänsefuß-Hirschsprung-Gesellschaft (Chenopodio polyspermi-Corrigioletum litoralis)

3. Beifuß- (Artemisia annua)-Gesellschaft

4. Flutrasen (Agrostietea stoloniferae)

5. Halbruderale Bestände (Artemisietea vulgaris)

5.a feuchtere Ausprägung mit Phalaris arundinacea

5.b typische Bestände

Vegetationstypen und Pflanzengesellschaften im Untersuchungsgebiet

Im Sommer 1998 wurden im Rahmen des Projektes "Auswirkungen von Buhnen auf semiterrestrische Flächen" Transekte im terrestrischen Bereich von Elbufern im Raum Havelberg untersucht. Sie befinden sich zum überwiegenden Teil in der Zone der Therophytenflur (vgl. Abb. 1; Pioniergesellschaften des Chenopodium rubri; Bidentetea tripartitae).

Abb. 1: Schematische Darstellung einer idealen Vegetationszonierung an mitteleuropäischen Flüssen (nach Wißkirchen 1995). Die Uferbereiche der Mittelelbe folgen diesem Schema weitgehend. Für die Vegetation sind die bedeutsamsten Umweltfaktoren Dauer und Zeitpunkt der Überflutung.

Die höchsten Wasserstände werden an mitteleuropäischen Flüssen im späten Winter bzw. im Frühjahr während der Schneeschmelze erreicht (WiHW), die niedrigsten im Spätsommer (NW). Dieser sehr niedrige Wasserstand herrscht meist nur wenige Tage oder Wochen. Sommerhochwässer (SoHW) treten selten auf und fallen niedriger aus als Winterhochwässer.

Die Lebensgemeinschaften sind an die herrschenden Umweltbedingungen angepasst. Sie vollziehen ihren Lebenszyklus von der Keimung bis zur Samenreife in der kurzen, überflutungsfreien Zeit des Spätsommers. In Abhängigkeit von Substrat, Nährstoffangebot und Überflutungsdauer lassen sich hier weitere, ganz verschiedenartige Pflanzengesellschaften unterscheiden, die in Abb. 1-5 genauer erläutert werden.

In höheren Uferbereichen trifft man im Untersuchungsgebiet vereinzelt auf Gesellschaften, die sich den Flutrasen (Agrostietea stoloniferea, Abb. 6) zuordnen lassen.

Auf den höchsten, trockensten Uferpartien sind Flußröhrichte (Phragmitetea australis, Abb. 7) bzw. Ersatzgesellschaften des Ufer-Weidengebüsches anzutreffen.

Weichholz- und Hartholzauwaldbereiche (Weiden- bzw. Eichen-Ulmen-Wald) waren im Untersuchungsgebiet nicht vorhanden.

Abb. 2: An Strom-km 419 kam es im Sommer 1998 zur Ausbildung großflächiger, dichter Bestände des Einjährigen Beifuß (Artemisia annua). Zwischen den bis zu 1,5 m hoch aufgeschossenen Pflanzen waren wegen Lichtmangels nur wenige andere Arten anzutreffen. Diese Gesellschaft steht floristisch der nährstoffreichen Variante des Xanthio-Chenopodietums nahe. Der Standort ist frisch und der Boden schlammig-humos. Er ist etwas höher gelegen als das Xanth.-Chen. rumicetosum.

Abb. 6: Am Strom-km 418 wurde ein Bereich beobachtet, an dem Arten der Flutrasen des Agropyro-Rumicion (Agrostietea stoloniferae) in die Uferpionier-Gesellschaften der Bidentetea  einwanderten. Dazu zählt z. B. der Weißklee (Trifolium repens, hier in Blüte). Dies entspricht dem Schema in Abb. 1.

Abb. 7: Die meist steil ansteigenden Hochufer sind von hochwüchsigen Grasbeständen besiedelt. Die niederen Bereiche sind häufig vom Rohrglanzgras (Phalaris arundinacea, siehe oben) dominiert, während in den höheren Bereichen halbruderale Bestände der Artemisietea vulgaris mit der Unbewehrten Trespe (Bromus inermis) und des Land-Reitgrases (Calamagrostis epigeios) vorherrschen. Trotz der überschwemmungsbedingten Nährstoffzufuhr herrscht an diesen sandigen Wuchsorten Nährstoffmangel. Die Mineralien können aufgrund der anschliessenden Trockenheit des Bodens nicht von den Pflanzen aufgenommen werden.

Abb. 3: An den tiefsten Uferbereichen, wo der Boden humos-sandig ist und ganzjährig über Anschluss an das Grundwasser verfügt, ist das Xanthio-Chenopodietum rumicetosum anzutreffen. Diese Subassoziation der Elbspitzkletten-Gesellschaft ist außer durch das stete Vorkommen der Elbspitzklette (Xanthium albinum, oben rechts), von Gänsefuß-Arten (Chenopodium album, Ch. polyspermum  u.a.) und von Knöterich-Arten (Polygonum hydropiper, P. lapathifolium agg.) sowie durch den Strandampfer (Rumex maritimus, Bildmitte, klein) gekennzeichnet.

Abb. 4: Auf höhergelegenen und sandigen Uferstreifen ist die Subassoziation des Hirschsprunges der Elbspitzkletten-Gesellschaft (Xanthio-Chenopodietum corrigioletosum litoralis) anzutreffen (im Vordergrund; hinten das Xanth.-Chen. rumicetosum). Sie kann bei niedrigsten Wasserständen durchaus von Wassermangel betroffen sein und ist meist lückiger als die Gesellschaften mit Rumex maritimus.

Hier gelang der Wiederfund des Laufkäfers Chlaenius spoliatus (Abb. 4a), der  in Deutschland 100 Jahre als verschollen galt.

Abb. 5: Auf noch höher gelegenen Sandufern, die während der terrestrischen Phase sehr stark austrocknen können, ist Pflanzenwuchs nur noch sehr spärlich möglich. Hier ist die Gänsefuß-Hirschsprung-Gesellschaft (Chenopodio polyspermi-Corrigioletum litoralis) anzutreffen. Die Gänsefuß- und Knöterich-Arten des Xanthio-Chenopodietums treten zurück. Es sind zumeist einzelne Individuen des Hirschsprunges (Corrigiola litoralis; Abb. 5a) und anderer trockenverträglicher Arten, wie z.B. dem Portulak (Portulaca oleracea; Abb. 5b) und dem Vielsamigen Gänsefuß (Polygonum polyspermum; Abb. 5c) zu finden.